Beschreibung
Angesiedelt auf 60 m hohem Kalksteinplateau (Kreidefelsen, der steil ins Meer hinabfällt). Bei einer Bootsfahrt kann man die vielleicht einzigartige Lage der Stadt am besten sehen (manche Häuser scheinen ins Wasser zu fallen), 12 km von Sardinien entfernt, Bonifacio liegt in einer Meeresbucht zwischen dem Capo di Feno und dem Capo Pertusato.
War die Lage Bonifacios einst von strategischer Bedeutung, so erweist sie sich heute als eher nachteilig, denn die Stadt im äußersten Süden der Insel ist so marktfern, dass sich der Niedergang der Landwirtschaft hier noch stärker auswirkte als in den anderen Teilen der Insel. Dank dieser Abgeschiedenheit hat sich Bonifacio allerdings bis heute das mittelalterliche Stadtbild erhalten können. Im Sommer ist die Stadt mittlerweile ein Touristenanziehungspunkt, im Winter jedoch wie ausgestorben.
Highlights
La Marine
liegt am innersten Punkt der Bucht mit seinem Jachthafen (einstiges Fischerviertel), hier finden sich zahlreiche
Restaurants, mehrere Hotels und Geschäfte. Boots-gesellschaften werben hier für Ausflugsfahrten um die Höhlen und in die benachbarten Kalkwände. Außerdem wird La Marine von der imposanten Bastion de L'Etendard überragt.
Aquarium
in einer Höhle beim Hafen befindet sich ein interessantes Aquarium mit 13 Becken und einer vollständigen Übersicht der korsischen Meeresfauna. Zahlreiche Fische und Krustentiere in leuchtenden Farben, die von einheimischen Fischern eingesammelt wurden, finden in den Becken mittlerweile kaum mehr genügend Platz.
Eglise St. Erasme
Schutzpatron der Seeleute, Kirche befindet sich am Fuß der langen Treppe, die in die Oberstadt führt.
Altstadt
früher durch die Porte de Gines, heute durch die Porte de France erreichbar; Zitadelle im 13. und 14. Jhdt. von den Genuesern erbaut, 2,5 km langer Mauerring führt um die Stadt und ihre militärischen Anlagen. In der Altstadt selbst herrscht ein buntes und enges Gewirr von eng aneinander gebauten, hohen manchmal turmartigen Häusern. In fast allen Gebäuden gibt es Brunnen un Zisternen, die das Regenwasser auffangen und dafür sorgten, dass die Bewohhner sich bei Belagerungen ausreichend versorgen konnten. Strebebögen spannen sich von den Mauerwerken über die Gassen, nicht nur, um das Waser in die Zisternen zu leiten, sondern auch um den Druck der Mauern standzuhalten.
Eglise Sainte-Marie-Majeure
3-schiffige Kirche aus dem 13. Jhdt. mit viereckigem Glockenturm. Der Bau wurde mehrmals umgestaltet, in ihrem Inneren überlagern sich verschiedene Stilrichtungen. Eine Zitadelle beherbergt heute reguläre französische Truppen, zuvor befand sich hier ein Stützpunkt der Fremdenlegion (auf einem benachbarten Platz erinnert ein Denkmal an die hier stationierte Fremdenlegion). Der Großteil der Zitadelle ist heute zu besichtigen. Vom Jardin des Vestiges (hier wurden mittelalterliche Reste der Stadtmauer feigelegt) hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und den Hafen.
Eglise St. Dominique
Gegenüber der Zitadelle erhebt sich diese Kirche mit ihrem achteckigen, von Zinnen gekrönten Campanile. Sie wurde 1270 von den Templern erbaut und ist die einzige gotische Kirche Korsikas. Die Kirche ist reichlich mit Gemälden und Statuengruppen (werden bei verschiedenen Prozessionen mitgeführt) gefüllt.
Escalier du Roi d'Aragon
südlich der Kirche St. Dominique sieht man die aus 187 Stufen bestehende steile Königstreppe. Es gibt 2 "Geschichten" über die Entstehung dieser Treppe: zum einen soll sie der König Alfons V. selbst in einer einzigen Nacht in den Fels gehauen haben, zum anderen soll sie von Bürgern Bonifacios als Fluchtweg aus der fünfjährigen Belagerung durch die Aragonier erbaut worden sein.
Geschichte
Der Legende nach, soll Homer den Hafen von Bonifacio gekannt haben, denn in seiner Odysse hat er einen Hafen beschrieben, der sich auf die Bucht von Bonifacio beziehen könnte. Als Odysseus und seine Männer von menschenfressenden Riesen überfallen wurden, konnte nur er und sein Schiff sich retten. Sicher ist jedoch, dass der toskanische Markgraf Bonifacio 828 n. Chr. an dieser Stelle die erste Befestigung gegen die Sarazenen errichten ließ. Er gab Bonifacio seinen Namen.
1195: Genua nimmt Bonifacio in seinen Besitz, deportiert seine Einwohner und ersetzt diese durch 1200 ligurische Siedler. Bonifacio wird wichtiger Sützpunkt der Genueser und erhält das Privileg einer autonomen Verwaltung (z.B. das Münzrecht).
Ab 14. Jhdt.: Bonifacio wird wichtiger Umschlagplatz für Waren aus Genua, Vieh, Käse und Leder, aber auch Getreide (Genua besaß das Monopol am Getreidehandel).
1420: 5-jährige, aber erfolglose Belagerung der Aragonier. Der Überlieferung nach soll die fast 200 Stufen zählende Königstreppe ("Escalier du Roi d'Aragon") in dieser Nacht entstanden sein. Sie führt an der Südwand des Felsplateaus ans Meer hinunter. Als die Spanier versuchten, die Zitadelle über die lange Treppe zu stürmen wurden sie von einer Frau überrascht, die somit den Sieg der Spanier verhinderte.
1553: 20 Tage bombardieren französische Truppen mit den Soldaten des Sampiero Corso die Stadt - die Stadt wurde tapfer verteidigt, doch durch einen feigen Verrat mussten die Einwohner schlussendlich doch kapitulieren.
1559: Bonifacio fällt (wie das übrige Korsika) wieder in die Hände Genuas.
1755 - 1768: Bonifacio erweist Genua die Treue und lässt sich auch nicht von Pasquale Paoli einnehmen.
1793: Napoleon besucht Bonifacio, als er die Invasion Sardiniens vorbereitet (diese scheitert jedoch).
1786: Von nun an herrschen Franzosen über Bonifacio, doch bis heute ist die ligurische Vergangenheit und die Zugehörigkeit zu Genua in der ganzen Stadt spürbar.