Beschreibung
Der Badeort Saint-Florent an der weiten Bucht gleichen Namens ist im Winter ein beschaulicher Fischerort mit 1.400 Einwohnern. Im Sommer schwillt er auf mehr als das Zehnfache an, der große Yachthafen wird zur Hauptattraktion und im alten Zentrum verschwindet alles Alltägliche hinter den Bars, Eiscafés, Restaurants, Kunsthandwerks- und Souvenirläden. Zum Flair des Ortes - von den Franzosen als St. Tropez der Insel empfunden - trägt die Liebe der Einwohner zu ihrer kleinen Stadt bei, sichtbar an Details wie dem modernen Kieselbrunnen an der Place Doria und der makellosen Boule-Fläche auf der Place des Portes, wo sich die Männer auch in der Hochsaison vom Trubel nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Highlights
Altes Hafenviertel:
Die malerischsten Winkel des alten Hafenviertels liegen jenseits der Pfarrkirche am Ende der Halbinsel. Auf beiden Seiten der Hauptstraße reihen sich alte, massive Steinhäuser und fügen sich harmonisch in die befestigte Anlage der Zitadelle ein. Die 1554 gebaute Tour de la Mortella am Eingang zum Golf wurde vor einigen Jahren restauriert.
Zitadelle:
Die 1568 fertiggestellte Zitadelle, einst Sitz des genuesischen Gouverneurs des Nebbio, wird zur Zeit gründlich restauriert. Nach der Fertigstellung soll sie für Besichtigungen geöffnet werden. Sie besteht aus einem mächtigen, zylindrischen Mittelbau, an den sich zwei seitliche Wachtürme mit halbkreisförmigen Grundriss und ein rechteckiger Turm anschließen. Die ungewöhnliche, auf Korsika einzigartige Struktur, lässt Ähnlichkeiten mit einem genuesischen Gebäude auf Rhodos erkennen. Zum Verteidigungssystem gehörte auch die in der 2. Hälfte des 18. Jh’s verstärkte Schanze San Francesco auf einer Anhöhe nordöstlich der Zitadelle.
Bootsausflüge:
Da es in der Stadt keinen Sandstrand gibt, starten am Hafen Saint-Florent in den Sommermonaten täglich Ausflugsboote zu den Stränden Saliceto und Lodo an der Küste der Desert des Agriates. Des Weiteren werden auch Bootsfahrten durch den Golf von Sant-Florent bis nach Nonza organisiert.
Geschichte
Der ursprünglich römische Handelsplatz und der mittelalterliche Bischhofssitz Nebbio liegen etwa 1 km landeinwärts. Beim Überfall der Sarazenen im 13. Jh. blieb jedoch bloß die Kirche Santa Maria Assunta unversehrt. Die Versumpfung der Aliso-Mündung – sie führte zur Verbreitung der Malaria – erschwerte jahrhundertelang die Lebensbedingungen an diesem Küstenstrich. Als Korsika an die Bank des hl. Georg fiel, verlagerte man die Siedlung auf die damals noch malariaverseuchte Halbinsel (1440) und errichtete die ersten Befestigungsanlagen; man kanalisierte den Aliso und erschloss das Hinterland für die Landwirtschaft. Saint-Florent wurde Stützpunkt der Handelsflotte.
Im Jahre 1514 wurde Agostino Giustiniani zum Bischof des Nebbui geweiht. Der berühmte genuesische Chronist und Literat schrieb 1531 das bedeutende Werk „Dialogo nominato Corsica“, eine kostbare Quelle des geographischen Wissens seiner Zeit und der korsischen Geschichte.
Um 1553 bemächtigten sich die Franzosen der Festung, doch Andrea Doria eroberte sie ein Jahr später zurück. Die dauernden Konflikte ließen die Befestigung mit neuen Bollwerken und Wassergräben in Jahre 1569 als dringlich erscheinen. Nach einer Zeit des Niedergangs erlangte der Hafen von Saint-Florent wieder strategische Bedeutung. Die Befestigungsanlagen wurden weiter ausgebaut und durch ein System von Wachtürmen an der Küste ergänzt.