Beschreibung
Als Verwaltungszentrum der Insel und Hauptstadt von Corse du Sud befindet sich Ajaccio, Sitz des gesamtkorsischen Regionalparlaments, des korsischen Gerichtshofs und der meisten Behörden, mit Bastia im steten Kopf-an-Kopf-Rennen um die Stellung als größte Stadt der Insel. Ihre in warmen Gelb- und Goldtönen gehaltenen Häuser, die Palmen an den Straßen und nicht zuletzt - die von weißen Stränden gesäumten Ufer - unterstreichen das südländische Flair. Außer in der Siesta kommt man hier nur schrittweise voran, deshalb stellt man am besten sein Fahrzeug ab und begibt sich zu Fuß ins lebhafte Treiben. Straßencafés, Schaufensterauslagen, klassizistische Großbauten an prächtigen Boulevards wechseln mit schmalen, hoch bebauten Gässchen von korsischer Ausstrahlung.
Highlights
Place General de Gaulle (früher Piazza del Diamante)
im Westen der Stadt, zwischen Altstadt und neuem Viertel.
Grüne Terrasse mit schönem Blick auf den Golf, umgeben vom Casino, Kongressgebäude und zahlreichen Cafes, beliebter Treffpunkt der einheimischen Bevölkerung; am Südende steht das bronzene Reiterstandbild Napoleons umringt von seinen 4 Brüdern.
Die malerische Altstadt mit feinen Restaurants, Bars mit alten Kellergewölben und Kunstgalerien erinnert in vielen Dingen an italienische Städte.
Maison Bonaparte:
Geburtshaus Napoleons an der Place Letizia.
Der Überlieferung nach erblickte Napoleon auf dem Sofa im Vorzimmer des ersten Stockes das Licht der Welt. Nachdem die Geburtswehen seiner nur 19-jährigen Mutter bereits in der Kirche einsetzten, erreichte sie auf dem Heimweg nicht mehr das Schlafzimmer.
Einfaches Haus aus dem 18. Jhdt., das während des englisch-korsischen Reiches beschlagnahmt wurde und sowohl als Munitionslager als auch als Soldatenunterkunft diente. Später wurde das Haus umgebaut und mit schönen Gegenständen geschmückt (z.B. Louis XV-Bett).
Heute steht das Haus unter Denkmalschutz und ist ein Museum, in welchem unter anderem Dokumente und Portraits der Familie Bonaparte gezeigt werden.
Kathedrale Notre-Dame de-la-Misericorde Kreuzkuppelbau wurde in den Jahren 1554 bis 1593 in einfachem, venezianischen Renaissance-Stil erbaut. Das Innere der zunächst größer geplanten Kirche ist reichlich geschmückt. Im Taufbecken aus Marmor wurde Napoleon mit knapp 2 Jahren getauft. Jedes Seitenschiff der Kathedrale hat 3 Kapellen.
Place Marechal Foch:
gegenüber des Hafens Tino Rossi (nach einem beliebten Schlagersänger aus Ajaccio benannt); Platz mit Palmen und Plantanen bepflanzt, ebenfalls ein beliebter Treffpunkt der Ajacciner.
Palais Fesch:
man erreicht ihn über die beliebte Flaniermeile und Hauptstraße Rue Cardinal Fesch, im stimmungsvollen alten Hafenviertel Borgo.
Klassizistischer Gebäudekomplex mit dem Musee Fesch, Bibliothek und der Chapelle Imperiale (Kaiserliche Kapelle - Kuppelbau, in der Krypta sind neben Kardinal Fesch und den Eltern Napoleons auch andere Angehörige der Familie bestattet).
Musee Fesch:
befindet sich im ersten Stock des Palais und umfasst eine beeindruckende Sammlung italienischer Tafelbilder vom ausgehenden 14. Jhdt. bis zum 19. Jhdt. (insgesamt 1200 Gemälde, die Kardinal Fesch einst der Stadt Ajaccio vermachte. Sammlung flämischer, holländischer und französischer Künstler). Im Erdgeschoss befindet sich die von Lucien Bonaparte gegründete Bibliothek mit über 50.000 Bänden.
Cours Napoleon:
Hauptverkehrsader der Stadt mit zahlreichen Straßen-cafes und Einkaufsläden.
Iles Sanguinaires:
an der Nordseite des Golfes von Ajaccio führt eine Straße, gesäumt von etlichen Hotels, Ferienwohnungen und Restaurants, zum genuesischen Turm Parata. Hier genießt man einen herrlichen Blick auf die Iles Sanguinaires (4 "Blutinseln").
Geschichte
Stadtgründung:
Die früheste Siedlung entlang des Golfs von Ajaccio geht auf die Römerzeit zurück und wurde 2 km nördlich der Zitadelle in dem heute „Vigne di San Giovanni“ genannten Viertel beim Port de l’Amirauté gegründet. Geschützt durch ein unweit der Altstadt errichtetes Kastell – im 10. Jh. bei einem Überfall der Sarazenen zerstört – überdauerte diese spätantike Siedlung das Mittelalter.
Genuesische Herrschaft:
Mit der Besiedlung der Golfregion durch die Genuesen im 13. Jh. entstand der Stadtkern von Neuem. Nachdem die Verwaltung der Insel an die Bank des hl. Georg (Banco di San Giorgio; keine Bank im heutigen Sinne, sondern eine politische Institution) übergegangen war, beschloss man 1492, in Ajaccio rund 100 ligurische Familien anzusiedeln. Im Jahre 1553 besetzte Sampiero Corso in französischem Auftrag Ajaccio; unter Marschall de Thermes wurde die Zitadelle ausgebaut. Allmählich ließen sich auch korsische Familien hier nieder. Nachdem die Stadt wieder an Genua gefallen war, wurden 1559 die Arbeiten abgeschlossen, und im Jahr 1592 erhielten sämtliche Einwohner das Bürgerrecht. Bevölkerungswachstum führte zur Erweiterung des Stadtgebietes jenseits der Stadtmauern. 1492 zählte Ajaccio 700 Einwohner und 1615 bereits über 2400 Seelen. Die Hauptbeschäftigung der Männer war die Korallenfischerei.
17. / 18. Jahrhundert:
In der ersten Hälfte des 17. Jh. zählte der Hafen von Ajaccio zu den betriebsamsten Häfen der ganzen Insel; gehandelt wurde vorwiegend mit Olivenöl, Wein, Getreide und Käse. Um den Bauern der umliegenden Gebiete Frieden zu garantieren, errichtete man Wachtürme entlang der Golfküste. Eine Besonderheit der Befestigungsanlage war die Trennung zwischen der militärisch genutzten Zitadelle und der ummauerten Stadt; ein breiter Wassergraben lag zwischen ihnen und gewährleistete die vollkommene Unabhängigkeit der Festung. Die Einwohnerzahl wuchs 1741 auf ca. 4000 an. Vertrieben von korsischen Angreifern, siedelte die griechische Kolonie 1731 von Cargèse nach Ajaccio über, wo sie bis 1774 blieb. Seit 1723 war Ajaccio Hauptstadt der Region „jenseits der Berge“ (Bastia war Zentrum des Gebiets „diesseits der Berge“)
Unter Frankreich:
Nachdem die Insel 1769 an Frankreich gefallen war (1763 scheiterte eine Verschwörung der Anhänger Paolis, die sich der Stadt bemächtigen wollten), wurde Ajaccio 1811 Hauptstadt der Region Korsika.